Turbo fürs Internet

Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Internet-Anbindungen mit großen Bandbreiten nimmt kontinuierlich zu. Während private Haushalte noch überwiegend über Kupfer- oder Koaxialkabel erschlossen werden, entscheiden sich Unternehmen vermehrt für Anbindungen über Lichtwellenleiter (LWL).

Die Nachrichtenübertragung über Lichtsignale ist allerdings keine Erfindung der Neuzeit. Bereits in der Antike nutzten Seefahrer Lichtsignale zur Kommunikation mit anderen Schiffen und den Leuchttürmen an Land.

1966 zum Patent angemeldet

Als Pionier der LWL-Technologie gilt der deutsche Physiker Manfred Börner. Für seinen Arbeitgeber AEG-Telefunken entwarf Börner 1965 das erste optoelektronische LWL-System und meldete es ein Jahr später zum Patent an. 1978 verband die Deutsche Bundespost erstmals zwei Telefonvermittlungsstellen in Berlin über eine vier km lange Glasfaserverbindung. In Zukunft werden die Fasern den gesamten Erdball umspannen und so das Rückgrat der globalen Kommunikation im 21. Jahrhundert bilden.

Der deutsche Physiker Manfred Börner.
Der deutsche Physiker Manfred Börner (1929 – 1996) gilt als Pionier der optischen Nachrichtenübermittlung.

Umwandlung elektrischer Signale in Lichtimpulse

Die LWL-Technologie basiert auf der Umwandlung elektrischer Signale in Lichtsignale. Diese können mit Hilfe von Glas-, Quarz oder Kunststofffasern selbst über lange Strecken transportiert werden. Am Ende der Übertragung werden die Lichtimpulse wieder in elektrische Signale umgewandelt.

Hohe Übertragungsraten und Bandbreiten

Gegenüber herkömmlichen Kupferleitungen haben die Glasfasernetze (engl. fiber optics) zahlreiche Vorteile: Zum einen ermöglichen sie hohe Bandbreiten und Datenübertragungsraten. So sind im Unternehmensumfeld Datenübertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s keine Seltenheit, und unter Versuchsbedingungen übertragen Wissenschaftler sogar regelmässig über 100 Gbit/s. Zum anderen können mit Hilfe von Glasfasern große Distanzen überbrückt werden, ohne dass es zu entfernungsbedingten Verlusten des Signals kommt, etwa wegen Induktivitäten, Kapazitäten oder Widerständen. Für den Einsatz in Gebäuden sprechen der wesentlich geringere Platzbedarf, das deutlich geringere Gewicht und die verminderte Brandlast der Fasern im Vergleich zu traditionellen Kupferverkabelungen.

Fibre-to-the-building
Abhängig von der Reichweite der Glasfaserkabel lassen sich beim Netzausbau verschiedene Ausbaustufen unterscheiden: Als Fibre-to-the-building bzw. Fibre-to-the-basement (FTTB) bezeichnen Experten das Verlegen der Glasfasern bis ins Gebäude des Kunden, zumeist in dessen Keller. Von dort aus werden die Signale über vorhandene Kupferleitungen bis in die Wohnungen geführt. Werden die High-Tech-Fasern direkt bis in die Wohnung gelegt, so spricht man von einer Fibre-to-the-home-Lösung (FTTH).

Schweiz ist Glasfaser-Entwicklungsland

Europäischer Spitzenreiter bei der Zahl der LWL-Anbindungen ist Litauen, wo bereits heute rund 18 Prozent aller Haushalte über Glasfaser kommunizieren. Dahinter folgen die traditionell technikfreundlichen skandinavischen Länder sowie Slowenien. Weit abgeschlagen sind dagegen Deutschland und die Schweiz, wo nur etwa ein bis zwei Prozent der Haushalte an das ultraschnelle Netz angeschlossen ist. In Liechtenstein hat man die Zeichen der Zeit erkannt: Bis zum Jahr 2020 will der Netzbetreiber Liechtensteinische Kraftwerke (LKW) alle Haushalte im Land an das Glasfasernetz anschließen.

Frank Vollmer

Erschienen in: Wirtschaft regional, 25. September 2010

 

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