Investitionen im IT-Bereich: leasen oder kaufen?

Immer mehr Unternehmen setzen bei Investitionen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie auf Leasing. Nach der Eigenfinanzierung aus liquiden Mitteln ist IT-Leasing das beliebteste Finanzierungsinstrument – noch vor der klassischen Kreditfinanzierung. Aber lohnt sich IT-Leasing wirklich? Oder ist der Kunde nicht besser beraten, wenn er sich für den Kauf der Technologie-Güter entscheidet?

Durchbruch nach 1970

Unter Leasing (vom Englischen to lease „pachten, mieten“) versteht man die zeitlich begrenzte Nutzungsüberlassung von Mobilien oder Immobilien gegen die periodische Zahlung von Leasingraten. Ihren Durchbruch in der Bundesrepublik schaffte diese Finanzierungsform in den 1970er Jahren. Seither ist sowohl die Zahl der Leasinggesellschaften als auch das Leasing-Investitionsvolumen rapide angewachsen: Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland Leasinggeschäfte im Gesamtwert von 54,1 Milliarden Euro abgeschlossen. 85 Prozent davon im Bereich des Mobilien-Leasings, zu dem vor allem Kraftfahrzeuge, Maschinen und IT-Equipment zählen.

Kürzere Innovationszyklen

Zu den wichtigsten Vorteilen des IT-Leasings zählt die Reduzierung des Risikos einer technologischen Überalterung. Egal, ob Hardware oder Software, PC oder Großrechner – heute für teures Geld gekauftes Equipment ist meist schon wieder technisch überholt, bevor es abgeschrieben ist. Andererseits kann es sich kein Unternehmen leisten, mit einer veralteten IT-Infrastruktur zu arbeiten. Mit Leasing lassen sich die Austauschzyklen flexibel anpassen und das Risiko einer Überalterung der IT-Ressourcen deutlich verringern.

Anschaffung ohne Eigen- und Fremdmittel

Leasing ermöglicht die Anschaffung von Technologiegütern, ohne dass zum Investitionszeitpunkt Eigen- oder Fremdmittel eingesetzt werden müssen. Für den Kaufpreis kommt zum Zeitpunkt der Anschaffung der Techologiegüter der Leasinggeber auf, beim Leasingnehmer fallen nur die vereinbarten Leasingraten an. Der Investitionsaufwand verteilt sich dadurch auf die gesamte wirtschaftliche Nutzungsdauer des Equipments. Auf diese Weise wird die Liquidität geschont und steht für anderweitige unternehmerische Vorhaben zur Verfügung.

Pay as you earn

Normalerweise können die Leasingraten aus den laufenden Erträgen finanziert werden. Experten sprechen vom so genannten Pay-as-you-earn-Effekt. Dieses Prinzip wird noch weiter verstärkt, wenn die Leasinggesellschaft eine dynamische Anpassung der Leasingraten an die Ertragslage des Unternehmens ermöglicht. Beispielsweise kann der Ratenverlauf so gestaltet werden, dass in den ertragsarmen Wachstumsphasen zunächst nur niedrige Raten anfallen, die dann stetig nach oben angepasst werden. Der Pay-as-you-earn-Effekt sollte allerdings über eines nicht hinwegtäuschen: Leasingzahlungen sind Fixkosten, die zuerst erwirtschaftet werden müssen.

Planungssicherheit und Kostentransparenz

Nicht nur Controller schätzen einen weiteren Vorteil des Technologie-Leasings: Die periodischen Leasingraten sind über die gesamte Laufzeit fest vereinbart und ändern sich auch nicht bei steigenden Kapitalmarktzinsen. Auf diese Weise kennt der Leasingnehmer bereits zu Mietbeginn die Nutzungskosten während der Vertragslaufzeit und verfügt damit über eine sichere Planungsgrundlage. Die entstehenden Kosten sind in der Regel völlig transparent und lassen sich einfach berechnen: So ist bei einem Leasingfaktor von drei Prozent, etwa über einen Zeitraum von 36 Monaten, und einem Wert des geleasten IT-Equipments von 100.000 Euro eine monatliche Leasingrate von 3.000 Euro zu bezahlen.

Steuerliche Vorteile

Für viele Unternehmen stehen beim Abschluss eines Leasingvertrags steuerliche Aspekte im Vordergrund: Leasingraten sind Betriebsausgaben, die regelmäßig in voller Höhe geltend gemacht werden können. Darüber hinaus können sich im Vergleich zur Kreditfinanzierung unter Umständen erhebliche Einsparpotenziale bei der Gewerbeertragssteuer ergeben. Immer vorausgesetzt, beim Leasingnehmer fallen überhaupt Steuern an.

Basel II-Rating verbessern

Basel II steht für eine grundlegende Neugestaltung der Eigenkapitalvorschriften und Kreditvergaberichtlinien der Kreditinstitute, mit der die Stabilität der internationalen Finanzsysteme erhöht werden soll. Grundgedanke von Basel II: Die Vergabe von Krediten und insbesondere deren Konditionen sollen sich wesentlich stärker am individuellen Risiko eines Unternehmens als bislang orientieren. Je höher das Risiko, desto teurer die Kredite. Maßstab für die von den Banken vorgenommene Einstufung sind unter anderem Bilanzrelationen, wie die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. An dieser Stelle wird Leasing interessant. Denn geleaste Objekte werden nicht beim Leasingnehmer, sondern beim Leasinggeber bilanziert. Leasing ist also bilanzneutral. Dadurch verbessert sich die Kennziffer Eigenkapitalquote, was sich wiederum in einem besseren Rating und tendenziell günstigeren Finanzierungskonditionen niederschlägt.

Kein Eigentumserwerb

Der wesentliche Unterschied zwischen Kauf oder Leasing besteht in den damit verbundenen Eigentumsrechten: Anders als beim Kauf erwirbt der Leasingnehmer kein Eigentum am gemieteten Objekt, sondern nur ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht. Eigentümer des Gutes ist der Leasinggeber. Im Alltag macht sich dieser Unterschied aber kaum bemerkbar. Was in der Praxis zählt, ist die produktive Nutzung des IT-Equipments. Die wiederum ist dank aktuellster Technologie gewährleistet.

Kosten genau vergleichen

Auf den ersten Blick können die Kosten eines Leasingvertrags durchaus höher sein als etwa bei einem fremdfinanzierten Kreditkauf. Bei einem Wirtschaftlichkeitsvergleich sollten aber nicht nur die nominellen Kosten gegenübergestellt werden. Mit in die Kalkulation einfließen sollten auch Mehrwerte, die aufgrund von zusätzlichen Dienstleistungen der Leasinggesellschaft generiert werden. Hierzu zählen unter anderem Beratungsleistungen, etwa im Hinblick auf eine Optimierung der IT-Infrastruktur, die Beschaffung und Installation der Hardware, das Angebot einer TÜV-zertifizierten Datenlöschung von Festplatten oder die Wiedervermarktung der Altgeräte am Laufzeitende.

Fazit

Leasing bietet Unternehmen eine Reihe interessanter Vorteile und sollte daher bei Investitionsentscheidungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie als Finanzierungsalternative stets mitberücksichtigt werden. Bei der Wahl des richtigen Leasing-Partners ist der Kunde gut beraten, wenn er sich für einen IT-Fullservice-Anbieter entscheidet. Dieser sollte neben individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittenen Finanzierungslösungen auch ein breites Spektrum an IT-Dienstleistungen anbieten können.

Frank Vollmer

Erschienen in: Business & Law, Ausgabe Stuttgart 2007

Foto: © Rainer Sturm | pixelio.de
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