Vor genau 50 Jahren brachte die britische Rockband Deep Purple ihr Album „In Rock“ heraus. Es gilt mit Songs wie Black Night, Child in Time und Speed King bis heute als ein Meilenstein der Rock-Musik und als Geburtsstunde des Heavy Metals.

Den Song Black Night hörte ich Ende der 1970er Jahre zum ersten Mal. Ich war damals wohl 11 oder 12 Jahre alt. Bei uns zuhause lag ein Sampler mit Rockmusik der 1970er herum, den mein Vater von einem Bekannten geschenkt bekommen hatte. Die Vinylscheibe fristete ein kaum beachtetes Dasein, denn so richtig mochte sich bei uns zuhause niemand für Rock begeistern. So war’s auch eher Neugierde, die mich die Scheibe an einem regnerischen Nachmittag auflegen ließ. Aber was ich hörte, zog mich sofort in den Bann – und hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Ich machte mich auf die Suche und stöberte in den Plattenläden der Stadt nach diesem Album und wurde nach einiger Suche auch fündig. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern, denen bald die sonst eher an deutsche Schlager gewöhnten Ohren dröhnten.

Cover im präsidialen Look

Markant war bereits das Platten-Cover – und zugleich ein Wortspiel. Denn In Rock bedeutet auch „in Stein gemeißelt“. So hatten sich die fünf Musiker auf dem Cover wie die am Mount Rushmore in Stein gehauenen US-Präsidenten in Szene gesetzt: Sänger Ian Gillan, Gitarrist Richard Blackmore, der legendäre, leider zu früh verstorbene Organist Jon Lord, Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice. Die klassische Mark-II-Formation der Band – und aus meiner Sicht die beste der ganzen Band-Geschichte.

Fruchtbarer Antagonismus zwischen Blackmore und Lord

Das Album erschien im Juni 1970, rund ein halbes Jahr nach Led Zeppelin II und ein Vierteljahr vor Paranoid, dem ebenfalls bahnbrechenden Album von Black Sabbath. In Rock markiert das Ende des klassischen Bluesrock der 1960er Jahre und steht auch für die Abkehr vom psychedelischen Sound der Hippie-Bewegung, dem sich Deep Purple in den Anfangsjahren teilweise verschrieben hatte. Mit In Rock schlug Deep Purple einen völlig neuen musikalischen Weg ein, der typisch für die Band werden sollte: markante Gitarrenriffs, der ekstatische Gesang von Ian Gillan, dazu treibende Rhythmusarbeit sowie der offen auf der Bühne ausgetragene Antagonismus zwischen dem Egozentriker Richie Blackmore und dem brillanten Organisten Jon Lord. Kritiker sprachen damals von einer „Revolution“ in der Musikgeschichte. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Erstes Heavy-Metal-Album der Musikgeschichte

In Rock gilt nicht nur als eines der besten Alben der britischen Band, sondern als eines der ersten Heavy-Metal-Alben der Musikgeschichte – wenn nicht sogar als das erste. Das deutsche Fachmagazin „Rock Hard“ gab dem Deep-Purple-Album volle zehn Punkte und reihte es auf Platz 60 der 500 besten Rock- und Metal-Platten. In Europa brachte das Album der Band den lang ersehnten Durchbruch: In Deutschland hielt es sich 12 Wochen auf Platz 1 und in den britischen Charts schaffte es In Rock immerhin auf Platz 4.

Live in Ravensburg

Für mich zählt Deep Purples In Rock bis heute zum Besten, was Hard Rock und Heavy Metal je hervorgebracht haben. Und so war’s für mich auch ein absolutes Highlight, die Band auf ihrer Abandon-Tour live zu sehen. Das Ticket für das legendäre Konzert am 14. Juni 1998 in der Ravensburger Oberschwabenhalle spendierte mir mein Freund Tschiwi zum Geburtstag. Er hat ein Vermögen dafür hingeblättert, weshalb ich mich an jenem Abend mit reichlich Bier revanchieren musste.

Deep Purple spielten in der alten Mark-II-Formation mit Jon Lord, Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice. Nur Ritchie Blackmore fehlte. Er hatte Deep Purple 1993 verlassen, seinen Platz übernahm der ehemalige Kansas-Gittarist Steve Morse, was der Band sichtlich gut tat. Deep Purple spielten an jenem Samstagabend über zwei Stunden lang mit einer Hingabe und Spielfreude, die kaum zu beschreiben ist. Und für mich erfüllte sich so ein echter Jugendtraum.